Dienstag, 7. Oktober 2008

Soziale Gerechtigkeit

Irgendwie sind alle Studis hier ganz schön jung. Das liegt zum einen daran, dass die Schule hier nur 12 Jahre dauert, und zum anderen daran, dass ich ein bisschen weiter in meinem Studium bin als die meisten hier.
Aber das ist nicht alles. Habe mich heute mal mit einem Mexikaner über die Wehrpflicht unterhalten. Die gibt es nämlich auch hier. Eigentlich. Das ganze funktioniert aber ein bisschen anders als bei uns. Von wegen Musterung, Einberufung, Verweigerung, Feldjäger und der ganze Ärger. Hier geht man zur zuständigen Kaserne und greift in eine Box. Wenn man eine weisse Kugel zieht, dann geht man nach Hause. Wenn man eine bunte Kugel zieht, geht man zur Armee. Wehrersatzdienst gibt es nicht. Wenn man aber reiche Eltern hat (und das haben ja fast alle hier an der UDEM), dann gibt man dem Offizier die Hand (und hat ein paar grosse Scheine drin) und greift dann in die Box (ohne bunte Kugeln). Und dann geht man nach Hause und der Offizier einen trinken.
Ich finde: Das bringt Geld in den Umlauf, fördert die Wirtschaft, ermöglicht Bürokratieabbau und verhindert viel Unmut seitens reicher unwilliger Wehrpflichtiger. Nur mit der sozialen Gerechtigkeit ist es nicht so weit her, aber damit haben es die Mexikaner sowieso nicht so.

(Zur Einschätzung: Nach der Weltbank lag die Einkommensverteilung Mexikos 2005 mit einem GINI-Koeffizienten von 46.1 auf einem stabilen 91. Platz von 126 gelisteten Ländern. Ein wenig besser schnitt Uganda ab, ein wenig schlechter Ruanda.)
Ich zitiere Ex-Presidente Salinas de Gortari: "Queremos ser parte del primer mundo, no del tercero." (Dt.: "Wir wollen Teil der ersten Welt sein, nicht der dritten.", ausgesprochen 1992 bei der Initiierung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA.)

1 Kommentar:

Philipp hat gesagt…

Lustig, hab ich auch von gehört :)

Vielleicht kannst du dich noch an das 18 stöckige Häuschen mit dem netten Pool drunter erinnern wo anfangs die Poolparties gingen. Der Besitzer vons Janze ist 26 jahre alt und im 3. Semester in Architektur (er meinte zu mir er findeT Häuser toll also will er jetzt mal Architektur machen). Lsutig ist, dass er das neue Stadion in Moneterrey mitplant und das im 3. Semester. Naja ihm gehören noch weitere 5 Hochhäuser und er will bald ein neues bauen (" ich habe grosses vor"). Dass die Vollstudiumarchitekten mitsamt ausgeklügelter Bewerbung bei der Entscheidung des öffentlichen Stadiums schlichtweg abgesägt wurden, und sein Papi das mal eben mit grünem gedeichselt hat, hab ich dann 1 Woche später erfahren.

Viva la corrupción!