Montag, 23. März 2009

Völlerei, Musik und Varieté in Guadalajara

Tag 3 / Lunes
Bis kurz vor 12 ausgeschlafen, Frühstück (Torta con Bistek, Piña y Chorizo) und dann los zur Central de Autobuses. Vom Taxifahrer endlich erklärt bekommen, warum wir im Hostel so vehement vor dem gefährlichen Morelia gewarnt wurde. Das hatte sich uns auf ungefähr dem Gefährdungsniveau von Tübingen präsentiert. Außer in Zacatecas habe ich mich in Mexiko noch nie so sicher gefühlt, und auch sonst hatte ich ja nie irgendwelche Probleme… In Morelia hat jedenfalls wohl vor etwa einem halben Jahr jemand ganz öffentlich mitten im historischen Stadtkern Handgranaten verkauft (Sowas steht ind en nutzlosen Reisewarnungen vom AA natürlich nicht drin. Und bei den Shopping-Tips im Reiseführer auch nicht.). Uppps… Sei aber jetzt alles kein Problem mehr, die Leute wären nur noch etwas vorsichtig. Na dann…




Guadalajara
Hostal Guadalajara ausgewählt (Warum haben die eigentlich so selten kreative Hostelnamen?) während der rund vierstündigen Busfahrt in die zweitgrößte Stadt Mexikos. Mal wieder fürchterliche Filme (Schonmal jemand gezwungen worden nacheinander They Crawl und The Game Plan zu gucken? Wehrt Euch! Und das ist jetzt eine sinnvolle Reisewarnung, wirklich!) im Bus mit Buch, iPod und Schlaf ausgeblendet.
Das Hostel stellt sich als echter Glücksgriff heraus. Sehr nette Atmosphäre, Backpacker aus aller Welt, liebvoll eingerichtet (1, 2, 3, 4) und mit kostenlosem Leihfahrrad für die Dauer des Aufenthalts. Dazu noch ein junges, selbst reiselustiges Team, das wirklich gut über Guadalajara Bescheid wusste und immer wieder kostenlose Ausflüge angeboten hat. Das führte zu besten Ausgehtips, Restaurantempfehlungen, Tourvorschlägen und vor allem: Richtig netten Unterhaltungen, unter anderem beim Bier zu kubanischer Livemusik auf der Terasse eines tollen Cafés (Café del Carmen). Alles perfekt, nur so eine ISIC-Karte hätte ich mir doch machen sollen - hätte 20 Peso Rabatt pro Nacht gebracht.

Tag 4 / Martes
Panchos gestern verlorene Kreditkarte (wie kann ein Geldautomat erst Geld und Beleg und dann wesentlich später die Karte ausspucken? Klar, dass die irgendwann vergessen wird…) nicht wieder bekommen und gesperrt. Ärgerlich. Spielte also mal wieder Bank. Trotzdem frohen Mutes die Stadterkundung gestartet. El Instituto Cultural Cabañas Guadalajara lohnt sich wirklich (Foto oben). Eintritt frei für Studis, tolle Gebäude und dank einer Leihgabe der Caixa Galicia standen wir völlig überrascht plötzlich vor Bildern von Dalí, Picasso und Miró gestanden. Danach Fotos von Leuten gemacht, die das nicht wollten, unheimlich leckere (und günstige) Rindfleischfajitas gegessen und ausgiebig im Hostel entspannt.
Abends sind wir dann erst mit einer Gruppe von Backpackern (Mochileros) aus Neuseeland, Australien und den USA einen trinken gegangen, - halt. Einen gibt es auch in Guadalajara nicht. Eine Margarita bestellt, zwei bekommen. Schon wieder. In 80% der Bars der Stadt regiert 2 für 1 - der Rest lockt mit 3 für 1 oder ähnlichem. Bei zwei Coktails für 30 Peso ist es eigentlich erstaunlich, dass wir es noch pünktlich um neun zur kostenlosen Radtour des Hostels geschafft haben. Was sich dann aber als die beste Entscheidung des Tages herausstellte.
Nach einer etwa einstündigen Radtour durchs nächtliche Guadalajara (siehe Foto unten), auf der François mehr Fotos gemacht hat als die vier uns begleitenden JapanerInnen zusammen, hat uns unser Touguide Marshall in eine nette Studibar mit dem wohlklingenden typisch mexikanischen Namen "Kaffeehaus" geschleppt. Dort konnte ich dann zwischen "Essen /comida" und "Getränkes / bebidas" wählen. Nach dem ersten den ersten zwei Bier und dem vermutlich besten Ziegenkäsebaguette Mexikos und der Welt (pardon, Frankreich) fing dann eine Liveband mit Ziehharmonika, Kontrabass, Guitarre, Banjo, Saxophon, Tuba, Posaune und Schlagzeug an zu spielen. Alles Studis, alle in Retroanzügen - und das war dann auch Programm: Roaring Twenties at it's best mitten in Mexiko. Wozu sich das dann entwickelte wäre eigentlich fast einen eigenen Beitrag wert. Varieté, Live-Stummfilmvertonung, Videoinstallation, Livemusik, Clownerie - und dabei so verdammt gut, dass es sich die Jungs und Mädels vom Proyecta Pneumus erlauben konnten sich nach eigenen Produktionen und Referenzen an Langs Metropolis, Chaplins Modern Times und Popeye auch noch selbst zu zitieren. Eine unglaublich Show, und das alles mitten im Garten einer winzigen Bar, zwischen, auf und unter den Tischen, mitten in herumwuselnden KellnerInnen - klasse. Danach mit ein bisschen Wehmut festgestellt, dass Monterrey leider jedes Bisschen Kunstszene fehlt - Konzerte gibt es jede Menge, aber Kleinkunst? Nichts. Gar nichts. Nicht einmal kleine Kinos gibt es.




Den Abend haben wir dann relativ früh (so gegen 1) mit einer Caguama ausklingen lassen. Guadalajara hat mir so gut gefallen, dass ich da wohl im Sommer nochmal einen Abstecher hin machen muss. Und dann mache ich auch die vom Hostel organisierte Tour nach Tequila, für die wir keine Zeit hatten. Alle, die davon zurück kamen, sahen so glücklich aus, dass ich mir das nciht entgehen lassen will. Auch wenn sie dann am nächsten Morgen beim Frühstück deutlich weniger glücklich aussahen.

Hier geht es demnächst weiter mit dem nächsten Stop: San Blas. Mein nächster Halt: Entweder Cuatrocienegas mit Max oder La Paz mit Susann und Michael.

Kommentare:

Susann hat gesagt…

Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie die Vorfreude mit jedem Bericht ins Unermäßliche steigt!!! Nur noch 12 Tage!! Ich kann es kaum erwarten.

Susann hat gesagt…

Was für ein Fehler. Ich bin völlig platt: Natürlich UNERMESSLICH, nicht mäßlich

jan hat gesagt…

Das freut mich - werde versuchen das ganze so gut wie möglich zu organisieren. Damit sich auch der teure Flug und der Spanischkurs und so lohnen.

Ulle hat gesagt…

auf nach tequila, mann! :-)

Michael hat gesagt…

Ulle hat zweifellos recht, und wer recht hat (oder bekommt) gibt einen aus!! Natürlich Tequila. Danach könnte ich dann bestimmt auch so nen lustigen Bericht über meine Erlebnisse mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen wie Randell´s Vater verzapfen.

Susann hat gesagt…

Mach ordentlich Deine Hausaufgaben, wie du es Jahrzehnte lang von Deinen Söhnen verlangt hast, dann sind Deine Sprachkenntnisse nicht nur rudimentär. ;-)

Michael hat gesagt…

So ein Kommentar find´ das jetzt UNERMÄßLICH frech!!

Jonas hat gesagt…

wer seine Hausaufgaben macht hat dann aber doch gar keinen Stress kurz vor der Endprüfung.... ;-)

Habt ihr eine Prüfung in eurem Kurs? Falls nicht muss Jan da einfach improvisieren. Irgendwo aussetzen und sie müssen selbst zu dir zurück finden - nur so als Vorschlag... ;-)

jan hat gesagt…

Ich lasse mir ein paar Prüfungen einfallen. Wir fangen leicht an, zum Flughafen finden und einchecken wird dann sozusagen die Reifeprüfung - die Taxifahrer sprechen nämlich meistens nur Spanisch...